Praxis Dr. Rasting
Praxis für Psychoanalyse, Psychotherapie, Hypnotherapie und Coaching

Gruppenpsychotherapie

 

Gruppentherapie ist ein hoch wirksames Verfahren, das für eine Vielzahl von psychischen Störungen und Fragestellungen geeignet ist. Viele Patienten fürchten, daß eine Gruppentherapie weniger wirksam ist, da man sozusagen den Therapeuten mit vielen Patienten zu teilen hätte. Diese nachvollziehbare Befürchtung trifft nicht zu, das belegen sowohl wissenschaftliche Studien wie auch meine persönliche Erfahrung sowie die Berichte von Patienten. Informieren Sie sich im Folgenden über einige der häufigsten Fragen bezüglich Gruppentherapie, darüber hinaus empfehle ich immer auch ein persönliches Gespräch, um gemeinsam mit dem Therapeuten zu klären, ob eine Gruppentherapie das geeignete Verfahren für den Einzelnen darstellt.

 

Was hat man sich unter einer Gruppentherapie vorzustellen?

In der Regel besteht die Gruppe aus etwa 8 Patienten sowie 1-2 Therapeuten und  sollte etwa 1,5 – 2 Jahren dauern, um ausreichend wirksam zu sein. Da die Gruppe so lange besteht, ist es möglich, ein Gruppenklima von Offenheit und Vertrauen zu bilden.

Wie wirkt Gruppenpsychotherapie?

Bei der Gruppentherapie können verschiedene Mechanismen der Veränderung genutzt werden. Für viele ist allein der offene und vertrauensvolle Austausch bereits entlastend und ermöglicht eine andere Sichtweise auf sich und die eigenen Probleme. Darüber hinaus entwickelt sich ein therapeutischer Prozess der Selbst-Erfahrung, der es einem emöglicht, mehr über die oft unbewußten eigenen Mechanismen zu erfahren, die zu den Problemen geführt haben.

Ein Beispiel: Frank war wegen „Depressionen“ in die Gruppe gekommen. Durch die Nachfragen der anderen Gruppenteilnehmer wurde für ihn und die anderen bald deutlich, daß diese Depression sich immer wieder einstellte, wenn er gleichzeitig wütend war und sich hilflos fühlte, die Wut anderen zu zeigen. Es konnte gut verstanden werden, daß einen wesentlichen Anteil an diesen Schwierigkeiten seine Beziehung zu seinem Vater hatte, der jede Form der Auflehnung mit heftigen Reaktionen und Strafen belegt hatte. Ähnlich erlebte er sich in der Gegenwart seines Vorgesetzten. Allein das Verstehen und die Ratschläge der Gruppenmitglieder ermöglichten ihm, offener seine Gefühle zu zeigen.

Dieses Beispiel zeigt, daß die Gruppe bereits durch den offenen Austausch ein hohes Veränderungspotential hat. Allerdings verfügt eine gut funktionierende Gruppe noch über andere Möglichkeiten, die im Folgenden beschrieben werden sollen. Frank stellte im Verlauf der Gruppe fest, daß ihm Karl, ein älterer Mann in der Gruppe, immer wieder auf die Nerven ging. Durch die Gruppenregel, über alle Gefühle in der Gruppe zu sprechen, fand er den Mut, Karl dies zu sagen. Erst nun gelang es ihm und der Gruppe zu verstehen, daß sich auch in der Gruppe der Mechanismus wiederholte, den er bei seinem Vorgesetzten erlebt. Hierdurch wurde es möglich, seine zugrundeliegende Problematik direkt in der Gruppe zu bearbeiten und neue Möglichkeiten auszuloten, mit seiner Wut umzugehen. Schritt für Schritt gelang es, seine Hilflosigkeit mit Hilfe der Gruppe zu überwinden.

 

Was unterscheidet eine Gruppentherapie von anderen Verfahren?

Nach meiner Erfahrung und der vieler anderer Therapeuten und Patienten gibt es spezifische Faktoren in einer Gruppentherapie, die kein anderes therapeutisches Verfahren anbieten kann. Einige davon sind:

  • Gefühl der Zugehörigkeit: obwohl wir durch den Zeitgeist sehr auf unsere individuellen Lebensmöglichkeiten hin orientiert sind, ist meiner Auffassung nach der Mensch ein zutiefst soziales Wesen. Das Gefühl, einer Therapiegruppe anzugehören, vermittelt Sicherheit und Orientierung, gerade auch wenn Beziehungsprobleme dazu führen, daß man sich einsam fühlt oder von wichtigen Menschen getrennt erlebt. Aber auch der Stolz, als Gruppe Probleme gemeistert zu haben, indem man beispielsweise einem Gruppenmitglied durch eine schwere Zeit geholfen hat, verbindet in einem sehr guten Sinn.
  • Akzeptanz der eigenen Erkrankung und Schwierigkeiten: Oft fühlt man sich durch eine psychische Erkrankung beschämt und denkt, daß kaum jemand diese Ängste, Phantasien oder Gefühle nachvollziehen, geschweige denn akzeptieren kann. Auch bei Ärzten oder Therapeuten haben Patienten oft das Gefühl, diese seien eben professionell genug, ihnen nicht die vermutete Ablehnung oder Irritation zu zeigen. Erst im wirklich nahen Austausch mit anderen Patienten gelingt es, sowohl das Eigene besser zu akzeptieren als auch zu verstehen, warum es so schwer ist, diese Seite an sich zu akzeptieren.
  • Hilfreich für andere sein: Immer wieder findet sich die Vorstellung: „Mir geht es schon schlecht, ich kann mich doch nicht auch noch um andere kümmern“ und lehnt deshalb eine Gruppentherapie ab. Allerdings ist meiner Erfahrung nach gerade für jemanden, der bereits lange an einer psychischen Erkrankung leidet, wesentlich, daß er sich als jemand erlebt, der etwas Wertvolles beitragen kann. Das hat vor allem zwei wichtige Auswirkungen: zum einen kommt man heraus aus einer Selbstsicht, der zufolge man selbst für andere nur eine Belastung ist oder andere nur verletzt; zum anderen kann ja gerade auch eine kritische Rückmeldung, die man vielleicht sonst zurückhält, für einen Mitpatienten eine wichtige Information sein.
  • Rückmeldung: es gibt vermutlich kaum eine bessere Möglichkeit, sich zu seiner Person, seinem Auftreten und ähnlichem eine Rückmeldung einzuholen als in einer Gruppentherapie. In Bezug auf unsere Außenwirkung sind wir oft unsicher, auch weil wir gewohnt sind, anderen ein bestimmtes Bild von uns zu vermitteln.
  • Sich selbst im anderen erkennen: jeder hat schon einmal erlebt, daß jemand von einem Gefühl oder Problem gesprochen hat, das man an sich selbst vielleicht ähnlich kennt oder zumindest erahnt.  Man beginnt dann, darüber nachzudenken, wie man selbst damit umgeht, wie man damit umgehen möchte und welche Lösungen die anderen gefunden haben. In der Gruppentherapie ist dieser Mechanismus permanent aktiv, so daß man hinsichtlich der eigenen Probleme sogar dann profitiert, wenn man nur indirekt, manchmal nur als Zuhörer, an den Prozessen der anderen Gruppenteilnehmer beteiligt ist.
  • Vielfältige Beziehungsmöglichkeiten: nur in einer Gruppentherapie hat man die Möglichkeit, in einem therapeutischen Rahmen so viele unterschiedliche Beziehungen einzugehen und sie zu untersuchen. Auch angeregt durch die Erfahrungen der anderen Gruppenteilnehmer kann einem selbst deutlich werden, welche Bedeutung unsere Eltern, aber auch unsere Freunde, Verwandte, Kinder für uns haben und wie uns das beeinflußt.

 

Dr. Marcus Rasting   Praxis für Psychoanalyse, Psychotherapie, Hypnotherapie und Coaching

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